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Kurzgeschichte: “Zuviel Liebe kann dich töten”  
07:42pm 19/11/2010
 
 
jackystarsome

Ausnahmsweise heterosexueller Natur

"Mario, du weißt, wie ich dieses nasskalte Wetter hasse! Dir macht es ja nicht aus, als unsterbliches Wesen."

"Wie unsterblich? Nur weil ich bei Borussia spiele? Oder wegen was anderem?"

Ich schaute tief in seine braunen Augen. Und merkte erst jetzt, was er meinte. Er war erst 17, als er seinen ersten Bundsliga-Einsatz hatte, aber auch noch ein Mensch. Ein Fremder im schwarzen Mantel änderte das Leben meines besten Freundes, biss ihn, und ließ ihn verbluten. In der Hoffnung, das er stirbt.

Es ist nicht das einzige Problem, das ich hatte. Mir war es nunmal egal, wie berühmt er ist, als Youngster des BVB, als der, der die Mannschaft in L'viv den Allerwertesten gerettet hat. Ich mochte ihn, nein ich liebte ihn schon fast, so wie er war, und das schon seit Jahren.

Es ist dieses Mädchen, kein Vampir, aber verdammt nochmal hübsch. Blonde Haare, blaue Augen, schlank und sportlich gebaut. Aber auch etwas älter als er.

Mario, es wird bald auffallen, was du bist. Vertraue nur den Personen, die du auch kennst. Sei ehrlich zu ihnen, du kannst ihnen sagen, wer du bist, aber niemals ein Mädchen, dass du zu menschlichen Zeiten liebst. Sie ist es nicht wert.

Worte, die mir Mario anvertraut hat, Kathrine kannte jene nicht, sie ist das Mädchen, das er vor seiner Verwandlung liebte. Manchmal hatte ich das Gefühl, er will sie beiseite schaffen, wusste nur nicht wie.

Manchmal hatte ich das Gefühl, er liebt mich, ein unscheinbares Mädchen, dass zu ihm steht, ihn kennt, ihn restlos vertraut, egal wie gefährlich es sein kann.

"Ach komm, sei nicht so wortkarg. Ich weiß, was du meinst, weißt du, Kathrine ist da etwas sturer. Sie nimmt einfach ne Decke, anstatt sich bei mir einzukuscheln! Bin ich so stark abgekühlt?" Sein Lachen erhellte den Raum. Nein, er war genauso warm wie vorher, und das hab ich ihn oft genug versichert. "Okay nur weil du es bist und ich ehrlich sein will: Sie weiß nicht, wann es genug ist. Und ich glaub kaum, dass sie mit der neuen Situation zurecht kommt."

Ohne ihn in das Gesicht zu blicken, wusste ich, dass er mir Recht gibt.

"Sie hat sich von mir getrennt, ich bin froh, dass Kathrine mich nicht mehr nervt, es war nur noch unerträglich. Besonders die Sache mit dem Vampirdasein. Du kennst die Regel ja."

Ich schluckte. Meinte er es ernst?

"Wow, ein Fortschritt!"

Wir lachten. "Ja, auf jeden."

~

Lewis guckte sehr angespannt auf die Uhr. Er war früh dran, weiß aber, dass ich pünktlich war. Auch heute. Ihn lernte ich kennen, als die U21 gegen Nordirland gespielt hatte. Seitdem wich er auch nicht von meiner Seite. Wir kannten uns nicht lang, abr es kam mir vor, als würde ich ihn so lange kennen, besonders, weil er auch ein Vampir ist.

Scheint die ganze Bundesliga von Vampiren besetzt zu sein?!

"Da bist du ja. Pünktlich auf die Millisekunde genau." "Mensch, Lewis, ich weiß, was du bist und ich weiß, wie genau du sein kannst, aber warum willst du mich sprechen?"

Er konnte sich wie immer nicht das Grinsen verkneifen. Ich vermutete, es war was wichtiges. Schlimm genug, dass die Bundesliga Vampire beschäftigte, noch schlimmer war es, mit Mario Götze, beim BVB tätig, als besten Freund zu haben, aber das schlimmste, was einem Sterblichen passieren konnte, war es, sich in einen Vampir zu verlieben, wie in meinem Fall in Lewis Holtby.

"Ach weißt du, auch wenn wir uns nicht besonders gut zu kennen scheinen, hab ich mir überlegt...", ich schaute ihn angepisst an, er etwas besorgt, was eher untypisch für ihn war und sprach weiter: " Nun ja, da du ja sehr gut weißt, was Mario und ich sind, hätte ich früher in Erwägung ziehen sollen, dich zu, naja, du weißt schon..." Lewis senkte den Kopf, die anderen Gäste des Café's schienen uns nicht weiter zu beachten, wobei hier eine tickende Zeitbombe sitzt, bei der mal der Schöpfer nicht mal weiß, wann sie hochgeht.

"Lewis, wenns um heiße Bettgeschichten geht, brauchst du nicht auf den Oberlehrer zu machen, und das auch nicht in 'nem stinknormalen Café in Mainz."

"Es geht um mehr als das, es geht hier um dein Leben. Deine Zukunft. Ich will nicht, dass du alterst." Sein Blick verfinsterte sich, und es war auch langsam Zeit für ihn, zu gehen. Lewis flüsterte mir zu, dass ich mir das überlegen sollte, und zwar gut. In meinem Magen drückte alles, alleine deswegen, weil ich schon wieder nicht bei ihm bleiben durfte.

Aber es ist in dem Moment sogar sinnvoller, von einem Vampir für kure Zeit verlassen zu werden.

Ich suchte und suchte, dieser stechende Geruch. Ein Geruch, der mich zum Töten zwingt. Ein vertrauter Geruch....

"Mario? Mario?! Alles ok mit dir? Ich mein, du bist auf einmal so blass..." "Bitte, bitte. Lass mich, du bist es nicht mehr würdig, zu leben!"

Sie. Kathrine. Sie war tot. Und zwar für immer.

Ihr Körper fühlte sich leichter an, und kalt. Ich war froh, als ich das hinter mir gebracht habe. Nur wegen Justicia...

Lewis stand ganz lässig an einer Mauer, auf der ganz groß das Logo von Mainz 05 gesprüht wurde. Er trug auch wie immer eine Jeans, ein Hoodie und einer seiner geliebten Kappen, aber ich spürte instinktiv, dass es heute nicht mehr so normal ist, wie es scheint. Besorgt schaute er zu mir rüber, ging mit höchster Vorsicht zu mir und flüsterte mir ins Ohr, dass er sich Sorgen um mich macht. Aber warum? "Hey, Mario hat Kathrine getötet, ich hab Angst, dass dir was passiert, daher hab ich den endgültigen Schluss gezogen, dich zu wandeln. Es ist wichtig, du bist mir wichtig, ich will dich wegen ihm nicht verlieren!"

In meinem Magen verknotet sich alles. Ich bekam das Gefühl, dass ich mich übergeben musste. Mein Kopf schrie nur: "Lauf, lauf so schnell du kannst!"

Ich rannte durch die Stadt, am Rheinufer entlang, aber ich spürte, dass er hinter mir her war. Ich war für ihn nur noch Beute, nicht mehr das Mädchen, dass er liebte. Tausende von Gedanken und Ideen kreisten in meinem Kopf, was ich tun könnte, aber dann war's zu spät. Er hat mich erwischt. Lewis senkte seinen Kopf in meine Halsbeuge und biss mich sanft. Aus mir kam nur noch ein stumpfer Laut.... und ich verlor mein Bewusstsein...

"Hey, Justicia! Alles okay mit dir?" Ich machte die Augen auf und bemerkte, dass es schon dunkel ist. In dieser Dunkelheit sah ich auch Mario, der aus dem Nichts aufgetaucht zu sein scheint. Ich spürte nur noch, wie heftig mein Kopf gedröhnt hat, von wegen, Lewis macht sich um mich Sorgen.

Enttäuschung machte sich in mir breit, aber mein Freund stand neben mir. Es war komisch, so neben ihm zu liegen. "Es .. es tut mir leid, aber es blieb mir keine andere Wahl." Geistesgegewärtig merkte ich, dass ich Durst bekam, und das nicht gerade unauffällig. Mario versicherte mir, dass er mir was zu trinken besorgt und Lewis versuchte mir alles zu erklären, " Es ist so, wenn der Hase vorm Wolf wegläuft, denkt der Wolf, es sei sein Abendessen für heute, so war das auch bei uns. Mir blieb keine andere Wahl."

Mario kam einige Zeit später mit einem schlafenden Kind in dem Arm. Ich wusste, was passieren würde, aber ich wehrte mich gegen meine Existens. Es war nunmal falsch, Menschen zu töten, aber es geht ums Überleben.

Es war sehr spät, und mein Gefühl von Hunger überrumpelte mich. Ich biss dem armen Kind in den Hals, das immernoch auf Mario's Armen lag. In meinem Mund floss schließlich jenes Blut, das in mir einen positiven Schauer auslöste. Zum ersten Mal war ich froh, dass Lewis etwas gegen meinem Willen gemacht hat...

 
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